Der deutsche Wortschatz

    März
    11

     

    und sein Verfall

     

    Um eine Sprache in alltäglichen Situationen zu bewältigen und ein normales Gespräch führen zu können, sind 400 bis 800 Wörter ausreichend. Ab 1000 Vokabeln kann man sich einer Sprache mächtig bezeichnen.

     

    Heutige Jugendliche haben, wenn man sich die Zeit nimmt, einmal in Youtube die Textkommentare zu lesen, einen Wortschatz, der allerhöchstens noch 150 - 200 Worte umfasst.

     

    Deshalb bemühe ich mich, wenn ich in besagtem Videoportal unterwegs bin, ganz schnell die Anzeige der Textkommentare aus zu schalten. Es ist mitunter haarsträubend, was man dort zu lesen bekommt.

     

    Mittlerweile sind wieder vermehrt Anstrengungen zur Pflege der deutschen Sprache festzustellen. So werden in der Werbung mehr deutsche Slogans verwendet. Slogans, ja, auch so ein Wort. Warum sagt man nicht Losungen? Und warum sind wieder vermehrt deutsche Slogans im Gebrauch? Weil keiner diesen englischen Unsinn versteht. Da meinte mal eine bekannte Parfümerie: "ComeIn and Find Out". Passanten, die befragt wurden, was man mit dieser Losung sagen wollte, meinten: "Komm rein und finde raus". Plötzlich macht die Parfümerie "das Leben schöner". Dies ist auch schöner und für jeden zu verstehen.

     

    Es sind Worte in der deutschen Sprache vorhanden, die so übernommen wurden, weil es dazu einfach kein deutsches Aquivalent gibt. So zum Beispiel in der Computertechnik der Begriff "Hard- und oder Software".

     

    Die "Sprachplanung" des Vereins zur Wahrung der deutschen Sprache (VWDS), sieht vor, für "Software" zukünftig "Logikalie" zu sagen. Den Satz lasse ich unkommentiert. Da kann man sich nur noch mit der flachen Hand an die Stirn schlagen. Genau wie das Wort "Internet". Das hieß immer Internet, heißt in allen Sprachen dieser Welt Internet, sogar in kantonesisch, und wird auch immer Internet heißen und niemals Weltnetz!

     

    Wenn aber eine Reifenfirma plötzlich "Off Road Reifen" anbietet, werde ich aggressiv. Die heißen im Deutschen „Geländereifen“. Schon immer. Und wenn Jugendliche erzählen, daß „die Kids mit ihren Inline Skates in den Half Pipes Ihre Jumps durchziehen“, dann bitte ich um eine deutsche Übersetzung – oder vollständig auf englisch, weil ich ja nichts gegen das Englische habe, sondern nur was gegen diesen Mischmasch aus beiden Sprachen. Die meisten werden daran schon scheitern.

     

    Bei manchen Werbungen und in vielen Geschäften drängt sich mir oft die Frage auf, ob ich überhaupt noch in Deutschland bin. So gibt es "Grapefruit", früher Pampelmuse. Wir gehen nicht mehr Einkaufen, sondern "Shoppen". Ausdauerlauf heisst jetzt "Jogging". Es gibt kein Zentrum mehr, sondern nur noch "Center" und vieles andere mehr. In unserem Leben gibt es keine Höhepunkte mehr, sondern Highlights, im Fernsehen gibt es anstelle einer Sondersendung ein Special und die Eingeweihten dazu heißen Insider. Das Rampenlicht im Theater wurde demontiert, jetzt gibt es das Spotlight. Wir brauchen auch keine Beziehungen mehr, wir haben Connections.

     

    Der Körper ist der Body, das Gefühl ein Feeling, das Wohlbefinden Wellness; was einfach scheint, wird easy gemacht; und wer kräftig kämpft, fightet mit echter Power. Trifft man sich, so hat man ein Meeting. Die deutsche Lufthansa gibt sich gleich ganz Trendy, wirbt für das Vielfliegerprogramm Miles&More damit, "ein flexibles Upgrade-Verfahren" einzuführen und erklärt die Vorteile: "Mit dem neuen Standby oneway Upgrade Voucher kann direkt beim Check-in das Ticket aufgewertet werden." Die Liste kann beliebig verlängert werden.

     

    Noch schlimmer kommt es aber, wenn englische Verben ins Deutsche übernommen werden. Da wird eine Datei aus dem Internet "downgeloadet", oder es wird ein Programm "upgegratet", ein Linienflug wird "gecancelt", weil die Engine des Jets out of Range ist. Im Science-Fiction-Genre wird eine Person "hochgebeamt". Man kann das "Neudeutsche" in allen Lebensbereichen, in allen Branchen, auf allen Gebieten durchforsten, man findet überall dasselbe. Bald werden wir sicher aufs Ganze gehen und den vorliegenden Artikel durchworken, noch einige Beispiele aufcounten, alles ordentlich formatten und es dann ausprinten.

     

    Aus einem Forum. Ein deutscher Auswanderer aus Kanada bemerkte:

     

    Was ich komisch finde wenn ich mir die deutschen Nachrichten von der Deutschen Welle anhöre, ist, daß man meint, man müßte Englische Namen auf Englisch aussprechen. Ist das keine Beleidigung wenn ein deutscher Ansager zum Beispiel den britischen Namen Gordon Brown mit einem deutsch/amerikanischen Akzent ausspricht? Ich würde schlicht "Gorden Braun" sagen. Komischer noch ist, wenn man die Stadt in Florida (Miami) als Meiämi ausspricht als handele es sich um ein englisches Wort, wo es doch in Wirklichkeit ein spanischer Name ist und genauso ausgesprochen wird wie ein deutscher ABC-Schütze eben Miami aussprechen würde.

     

    Doch genug der verdenglischung der deutschen Sprache. Ich möchte auf mein Hauptanliegen zurück kommen, mit dem ich diesen Beitrag begann.

     

    Die Sprache der heutigen Jugend besteht aus folgenden Wörtern: "Alter", "und so". Damit erschöpft sich das Vokabular schon einigermaßen.

     

    Goethes überlieferter Wortschatz umfaßt bis zu 90.000 einzelne Wörter. 90000!! Er reicht vom persönlich gefärbten Alltagsausdruck über die strenge Diktion wissenschaftlicher Prosa und die konventionelle Amtssprache seiner Zeit bis zur vielschichtigen Poesiesprache. Das sprachliche Vermächtnis des Dichters ist ein Miteinander verschiedenster Sprachvarietäten, Funktional- und Gattungsstile bzw. Textsorten.

     

    Wenn man dann nur einmal einen kleinen Moment inne hält und darüber nachdenkt, das ein normaler Deutscher in der heutigen Zeit, wenn er gebildet erscheinen will, sich eines Wortschatzes von etwa 5000 Wörtern bedienen muss, erscheint es geradezu lachhaft, Jugendlichen auf der Straße zu zu hören, die sich mit einem Wortschatz unterhalten, der dem eines Kleinkindes entspricht.

     

    Armes Deutschland. Um noch einmal auf die Geschichte mit der Webseite Youtube zurück zu kommen. Sollte es irgend jemandem gelingen, irgendwo einen Textkommentar zu entdecken, der länger als 20 Wörter ist und in dem sich keinerlei Fehler befinden, so möge er mir eine Mail schicken.
    Ich schlage ihn dann zum Entdecker des Jahres vor.

     

 

 

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